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Seelenwanderungslehre


Der Glaube an eine Seelenwanderung und eine damit verbundene Wiedergeburt ist in zahlreichen Religionen der Erde verbreitet und hat ihren Ursprung in einer nicht mehr erforschbaren Vergangenheit. Der aktuell wohl "populärste" Verteter der Seelenwanderungslehre dürfte der tibetische Dalai Lama sein, der bereits zu Lebzeiten laut darüber nachdenkt, wo seine Wiedergeburt nach seinem Tod zu suchen und zu finden sein wird.

Die Religionen, in denen die Seelenwanderungslehre stark präsent ist, sind der Hinduismus, der Buddhismus und der Jainismus mit zusammen weit mehr als einer Milliarde Anhänger.

Die Seelenwanderung

Der Kern der Seelenwanderungslehre

Der zentrale Begriff der Seelenwanderungslehre ist das "Karma". Dies lässt sich am Ehesten mit "Tat" übersetzen: Gute oder böse Taten, die im derzeitigen Leben begangen werden, haben Einfluss darauf, in welcher Form oder sozialen Stellung man im nächsten Leben wiedergeboren wird. Die derzeitige Seinsform ist demgemäß auch Konsequemz aus den Taten der vorhergehenden Existenz. Taten lösen also folgen aus, sind aber auch Resultate vorhergehender Taten.

Kern der Seelenwanderungslehre ist der Glaube, dass sich alles Leben in einem unendlichen Kreislauf befindet. Dieser wird "Samsara" genannt. Da das Verlangen zu leben an höchster Stelle steht, ist dieser Kreislauf unendlich und kann nur unter gewissen Umständen für das Individuum gelöst werden, so dass es befreit wird. Die Befreiung wird als "Moksha" bezeichnet.

Um die Moksha zu erlangen, muss sich demnach das Individuum aller Taten enthalten, um so die Kette von Ursache und Wirkung zu durchtrennen.

Religionen im Bezug zur Seelenwanderungslehre

Der Buddhismus lehrt, dass die Befreiung durch eine Erleuchtung erreicht werden kann: Wer die Dinge zu erkennen vermag, wie sie wirklich sind, kann erleuchtet und mithin befreit werden. Im Hinduismus verhält sich dies ähnlich, wobei der Hinduismus auch Wiedergeburten in nicht menschlicher Form akzeptiert. Der Jainismus geht davon aus, dass das Karma, also die Tat, die Seele verunreinigt und daher über extreme Askese ausgeschieden werden muss.

Christentum, Judentum und Islam erkennen die Seelenwanderungslehre nicht an, da sie dem Glauben an eine Auferstehung von Körper und Geist am Jüngsten Tag wiederspricht. Dennoch gibt es in allen Schriften dieser Religionen deutliche Hinweise darauf, dass die Seelenwanderungslehre den Protagonisten Jesus oder Mohammed sowie den Autoren der Bibel durchaus geläufig war.

Bereits in der griechischen Antike wurde das Wort der Reinkarnation geprägt, das heute für "Wiedergeburt" im Sinne der Seelenwanderungslehre steht, um nicht mit der Auferstehung Christi zu kollidieren.