Die geheimnisvolle Geschichte einer namenlosen Wissenschaft
Die Geschichte der Esoterik beginnt im Altertum. Beschwören Sie die Geister jener Zeit herauf, treffen Sie auf Aristoteles. Eine Satire berichtet über seine äußeren, also exoterischen und inneren, nämlich esoterischen, Betrachtungsweisen; Allgemeinwissen oder top secret - so könnte das heute heißen. Höheres Erkennen, nicht nur religiöser Art, war die Grundlage spiritueller und okkulter Praktiken. Innere Erleuchtungen waren jedoch nur Wenigen vorbehalten; auch Phytagoras gab nur einer auserwählten Schülergruppe sein Wissen exklusiv weiter. Sie begegnen Platon, der um geistige Wahrheiten rang. Große Gelehrte, die bemüht waren, Unergründlichem näher zu rücken, legten Grundsteine, auf denen noch immer wissenschaftliche Esoterikforschung basiert.

Falls es während Ihrer Geisterbeschwörung unruhig geworden ist, sind Sie zweifellos geradewegs in der Renaissance gelandet. Da gab es einen enormen Aufschwung die Wissenschaft metaphysischer Phänomene betreffend, die noch keinen Namen hatte. Das 16. Jahrhundert war Rückbesinnung und Entwicklung zugleich. Doch springen Sie ins 19. Jahrhundert! Was bis dahin in der Geschichte der Esoterik nur als Adjektiv existiert hatte, machte der französische Philosoph und Historiker, Jacques Matter, 1828 in seiner Veröffentlichung über religiöse Geheimlehren erstmalig zu einem Substantiv. Seitdem gibt es den Begriff ESOTERIK wie Sie ihn heute kennen. Ihr wurde alles Übersinnliche zugeordnet, was freilich dazu führte, dass die Sortierung scheinbar beliebig erfolgte. Astrologie und Alchemie - Denken Sie an den Stein der Weisen - Vampirismus, Hexenzauber, Nekromantie, das sind nur einige Bereiche, die zur Esoterik gehören. Es gibt jeweils Untergruppen und besondere Abteilungen. Sie alle sind für die Wissenschaft ausgesprochen interessant. Bei dem Blick in die Geschichte sollten wir nicht außer Acht lassen, dass beispielsweise die Alchemie der Naturphilosophie entstammt und es gab - Sie begegnen Paracelsus - große Leistungen in der Naturheilkunde.
Weltweit existieren vier Lehrstühle, die sich mit Geschichte von Esoterik und Mystik befassen. Der erste gehört zur Pariser Sorbonne. Hier haben Sie eine bedeutende Persönlichkeit nur knapp verpasst: Antoine Faivre, der diesen Lehrstuhl innehatte. Er ließ sich 2001 im Alter von 67 Jahren emeritieren.
Welche Erkenntnisse dieser Zweig der Religionswissenschaft noch birgt, können wir nur mutmaßen. Welche Erleuchtungen allerdings schon verloren gingen, die beispielsweise die Katharer, eine Glaubensgemeinschaft des 13. Jahrhunderts, bei ihrer Ausrottung mit auf die Scheiterhaufen nahmen, bleibt leider für immer im Dunkeln.
Doch eines ist sicher: Geglaubt wurde zu allen Zeiten. Dazu bedarf es nicht zwangsläufig einer Religion. Was die Esoterik betrifft, deren Definition eindeutig uneindeutig ist, so können Sie vertrauensvoll glauben, dass sie dem Forschergeist noch lange Rätsel aufgeben und ihn beflügeln wird.