Geschichte der Esoterik ( Epoche: Frühe Neuzeit)
Der Versuch, die Geschichte der Esoterik in der als Frühe Neuzeit bekannten Epoche nachzuzeichnen, wirft das Problem der zeitlichen, räumlichen und inhaltlichen Abgrenzung auf. Denn hierfür existieren recht unterschiedliche Interpretationsansätze. Aus pragmatischen Erwägungen wird hier unter "Esoterik" jegliche Form von Geheimlehre mit spirituellen oder okkulten Anklängen verstanden. Als "Frühe Neuzeit" gilt in folgender Darstellung insbesondere das 16. und 17. Jahrhundert mit Eingrenzung auf Europa. Durch Aufklärung und Frühindustrialisierung fand diese Epoche im 18. Jahrhundert langsam ihr Ende und dämmerte mit dem Ausklang des Spätmittelalters im 15. Jahrhundert herauf. Als Byzanz (heute Istanbul) im Jahre 1453 von den Moslems erobert wurde, flohen viele Gelehrte samt ihrer Bücher in den Westen. Viele antike Autoren wurden so im Abendland erstmals im Original zugänglich, was der Renaissance (Rückbesinnung auf die Antike) großen Auftrieb verlieh. Mit der Erfindung eines Gießverfahrens für bewegliche Einzelbuchstaben (Lettern) aus Metall durch Johannes zu Gutenberg fand ungefähr zeitgleich (Mitte 15. Jh.) eine Revolution in der Buchdruckerkunst statt. Dies ermöglichte es den neuentdeckten Schriften rasch, eine große Verbreitung zu finden. Dadurch konnten nun erstmals in der nachantiken Geschichte auch verstärkt esoterische Werke des klassischen Altertums rezipiert werden.